Gebäude

Wir haben uns mit der Gründung der Genossenschaft zum Ziel gesetzt, das ehemalige Klinikum in der Eduard-Rosenthal-Str. 70 gemeinsam zu erwerben, unter modernen und ökologischen Gesichtspunkten zu sanieren und selbst zu bewohnen. Wir möchten einen attraktiven Lebens- und auch Arbeitsraum für ca. 200 Bewohnerinnen und Bewohner in einem integrativen Mehrgenerationenprojekt schaffen.

Der Entwurfs- und Planungsprozess ist fast abgeschlossen. Bald treten wir in die Planung des Bauprozesses ein. Die zukünftigen Bewohner hatten viele Möglichkeiten, auf ihre Wohnungsgrundrisse Einfluss zu nehmen. Die Arbeitsgruppe Architektur vermittelt dabei zwischen den Planern und den Mitgliedern der Genossenschaft und begleitet den gesamten Planungs- und Bauprozess und arbeitet eng mit unseren Partnern und Fachplanern zusammen. Bei den noch freien Wohnungen waren wir sehr bestrebt, attraktive Grundrisse zu schaffen, die Räume für eine Vielzahl von Wohnwünschen bieten.

Fassadengestaltung

Unsere ideellen Ansprüche sollen sich auch in der neuen Architektursprache wiederfinden. Die ursprünglichen Kasernenbauten aus den 1930er Jahren werden im Zuge der Sanierung durch eine lebendige und moderne Fassadengestaltung überformt. Große Dachgauben, freitragende Balkone, farblich akzentuierte Hauseingänge und eine moderne Fensterteilung sind die Hauptgestaltungselemente für das neue Erscheinungsbild.  Indem wir die ehemalige Cafeteria und technischen Anbauten aus DDR-Zeiten abreißen, stellen wir die ursprüngliche Symmetrie der historischen Anlage größtenteils wieder her, renaturieren einen Teil der versiegelten Fläche und schaffen mehr Platz für Gärten.

Das neue Erschließungskonzept macht das Hauptgebäude von der Straße aus besser zugänglich. Ein zweiter neu gestalteter Eingangsbereich trägt das Leben der Genossenschaft in die Öffentlichkeit

Hausgemeinschaften

Ro70_Freischnitt_04
OF Hof A3 im Herbst 2015

Um trotz der Größe des Gesamtkomplexes eine persönliche Atmosphäre zu schaffen, haben wir uns entschieden, die drei Gebäudeteile in neun Hausgemeinschaften mit jeweils einem Aufgang zu untergliedern. Damit leben zukünftig zwischen 15 und 25 Menschen in maximal 10 Haushalten zusammen und haben damit die Möglichkeit, abhängig von ihren Interessenslagen, persönliche Beziehungen zueinander aufzubauen und zu pflegen. Gleichzeitig verteilen sich die anfallenden Organisationsarbeiten auf ausreichend vielen Schultern.

Modulsystem

Es sind durch ein flexibles Gestaltungssystem vielfältige Wohnungsgrundrisse entstanden, die jedem Bewohner ein individuelles und angenehmes Wohnerlebnis ermöglichen. Die Wohnungen im Erd- und Obergeschoss sind durch die vorhanden großen Fensteröffnungen sehr gut belichtet. In den Dachgeschossen finden sich durch den ausgebauten Spitzboden Maisonettewohnungen mit großzügigen Gauben.

Durch die Neugliederung der Grundrisse wird der bestehende Krankenhauscharakter mit den langen Fluren vollständig aufgehoben. Dank eines Modulsystems konnten wir flexibel auf die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner reagieren und dabei den Planungsaufwand im Rahmen halten.

WE_A4_11_51m_EG WE_A2_23_61m_OG WE_A4_24_79m OGKopf WE_A5_21_100m_OG Ro70_Musterwohnung

Mustergrundrisse verschiedener Wohnungsgrößen zwischen 50 und 120 m²

(Für vergrößerte Ansicht auf den jeweiligen Grundriss klicken)

Seitenflügel

Die zwei Seitenflügel des ehemaligen Klinikums werden primär zu Wohnzwecken ausgebaut. Jeder Flügel bietet nach dem Umbau Platz für circa 75 Erwachsene und Kinder. In jedem Aufgang entstehen 6 bis 10 Wohnungen mit Größen zwischen 40 und 130 m², die sich um ein zentrales Treppenhaus gruppieren. Sämtliche Wohnungen sind mit Balkonen oder Dachterrassen ausgestattet. Die Erdgeschosswohnungen sind größtenteils barrierearm oder barrierefrei. Im nördlichen Aufgang des Westflügels wird ein Fahrstuhl realisiert. Die Wohnungen in diesem Aufgang werden dementsprechend auch rollstuhlgerecht gebaut.

Ro70_Freischnitt_02
Westflügel Außenseite nach Freischnitt im Herbst 2015

 

Hauptgebäude

Im Hauptgebäude wird es eine Mischnutzung geben. Durch die straßenseitige Erschließung und Neugestaltung der Eingangsbereiche zwischen den Flügeln und dem Hauptgebäude öffnet sich das Ensemble wieder nach Norden. Das westliche Torgebäude bleibt Hauptzugang in die Wohnanlage. Der straßenseitige Vorplatz bekommt als Eingangsbereich eine neue, einladende Gestaltung. Auf dem Vorplatz werden außerdem einige Parkplätze für körperlich beeinträchtigte Menschen und Carsharing entstehen. Vom Haupteingang führen Rad- und Fußwege zu den neun Hauseingängen sowie dem weiter südlich liegenden Gemeinschaftsgarten und dem geplanten Spielplatz. Nach dem Abbruch der ehemaligen Radiologie zwischen Hauptgebäude und Ostflügel wird es einen neu gestalteten Zugangsbereich mit einer Treppenanlage und einem Paravent geben, der die Anlage zur Straßenseite abgrenzt.

Planungsskizze Febr 2016

Erdgeschoss: Gemeinschaftsräume und Wohnen

Das Erdgeschoss des Hauptgebäudes bietet Raum für verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen. Hier entstehen ein größerer und kleinerer Gemeinschaftsraum sowie ein Café, welche von den Bewohnern und Gästen der Ro70 genutzt werden können. Das Untergeschoss des Hauptgebäudes liegt straßenseitig im Souterrain und lässt sich durch die vorhandenen Kellertreppen erschließen. Hier besteht z.T. noch ungeplanter freier Raum für eine flexible spätere Nutzung, beispielsweise für Proberäume für Studierende der Hochschule für Musik, weitere Werkstätten oder Trainingsräume. Daneben finden sich im Kellergeschoss Lager und Sanitäreinrichtungen für Café und Gemeinschaftsräume sowie die Wärmeversorgung des Gebäudekomplexes.

Obergeschosse: Wohnen

Die Räume im Ober- und Dachgeschoss des Hauptgebäudes werden zu Wohnzwecken ausgebaut. Hier entsteht neben normalen Genossenschaftswohnungen auch eine größere für Wohngemeinschaften geeignete Wohnung, z.B. für Studierende. Auch die Lebenshilfe schafft hier für 10 Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ein zuhause in einer Wohngruppe. Die Erschließung erfolgt über die beiden vorhandenen seitlichen Treppenhäuser und einen zentralen Treppenneubau. Einen Fahrstuhl wird es im westlichen Treppenhaus geben.

Arbeits-, Gemeinschafts- und Hobbyräume

Die Gebäude sind vollständig unterkellert und die Untergeschosse des Ostflügels und z.T. des Westflügels liegen an den hofabgewandten Seiten und im nördlichen Bereich im Souterrain, sind gut belichtet und leicht zu erschließen. Diese Räume sind für nichtstörendes Gewerbe vorgesehen. Möglich sind Arbeitsräume, Ateliers und Werkstätten, z.B. für Studierende, Künstler und Freiberufler. Die hofseitigen Kellerräume bleiben den Bewohnern der jeweiligen Hausgemeinschaft vorbehalten.

Jede Hausgemeinschaft hat zudem die Möglichkeit, einen eigenen Gemeinschaftsraum einzurichten und trägt diesen auch selbst.  Daneben bieten sich ungenutzte Kellerräume als Hobbyraum oder Werkstätten für die Bewohner an.

Am westlichen Rand des Geländes richten wir ein altes Maschinenhaus wieder her, welches uns für die Zukunft weitere Räumlichkeiten zur Nutzung bereit hält, bespielsweise für eine Fahrradwerkstatt im Erdgeschoss oder Künstlerateliers im Spitzboden.

Energiekonzept

Wir sehen eine energetische Sanierung nach zukunftsorientierten, baubiologischen und ökologisch nachhaltigen Prinzipien entsprechend KfW70-Standard vor. Wir erhalten hierfür eine Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Gemeinsam mit unserem Fachplaner für die technische Gebäudeausrüstung konzipieren wir eine zentrale Energie- und Nahwärmeversorgung des gesamten Wohnprojektes. Die Details der technischen Ausgestaltung sind momentan im Diskussionsprozess.

 

Ro70_Freischnitt_03
Ostflügel Hofseite im Herbst 2015